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Klimapolitik

31 August 2018
Die Erdöl-Vereinigung setzt sich für einen effizienten Klimaschutz ein.
 

Mieten: Subventionen mit Nachteilen

Gebäudeprogramm: Nachteile für die MieterSanierungsprojekte führen teilweise zu einer Vergrösserung der Wohnfläche pro Person. Die Folge: Die CO₂-Emissionen pro Kopf steigen. (Foto: Laurie Shaw, pexels)Das behördliche Gebäudeprogramm finanziert Gebäudesanierungen, die für die Mieter von Nachteil sein können.

 

In der Schweizer Energiewelt verteilt man Subventionen in alle Richtungen. Im Gebäudebereich kommen diese meist Hauseigentümern oder Immobiliengesellschaften zugute.

 

Die Gebäudesanierungen sollen gemäss Bund vorangetrieben werden, mit dem Ziel, CO₂ einzusparen. Der Subventionstopf dafür wurde ausgebaut: Anfang 2018 wurden die Mittel aus der CO₂-Teilzweckbindung für das Gebäudeprogramm von 300 auf 450 Millionen Franken pro Jahr erhöht.

 

«Gebäudesanierungen sind auch ein Vorwand für Immobiliengesellschaften, um Mietverträge zu kündigen oder die Mieten zu erhöhen.»

 

Die Mieter, die etwa 55 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner ausmachen, profitieren finanziell kaum davon: Die Energierechnung sinkt zwar, aber die Miete wird auch aufgrund der Gebäudesanierung teurer.

 

Verteuerung der Miete um 20 Prozent

 

Eine pdfFallstudie im Auftrag des Bundesamts für Energie hat die energetischen und finanziellen Auswirkungen einer Gebäudesanierung untersucht. Unter die Lupe genommen wurde dabei ein Gebäude aus den 1960er-Jahren mit 59 Wohnungen, das 2010 komplett saniert wurde.

 

Der Effizienzgewinn ist unbestritten. Hingegen zeigt der untersuchte Fall, dass die Sanierung erst nach 279 Jahren amortisiert wird, wenn sich der Heizungsträger (Gas) um 1 Prozent pro Jahr verteuert. Die reale Verteuerung dieses Energieträgers zwischen 2006 und 2014 entsprach 1,85 Prozent. Somit liesse sich die Sanierung innerhalb von 115 Jahren amortisieren.

 

Da die Hauseigentümer von einem geringeren Energieverbrauch finanziell nicht profitieren, werden die Sanierungskosten über die Mieten amortisiert. In der Fallstudie stiegen die Mieten um 20 Prozent an. Die Autoren kommen zum Schluss, dass sich die Investition trotz Energieeinsparungen kaum amortisieren lässt.

 

Selbst wenn eine Mieterhöhung im Vergleich zum Marktpreis gerechtfertigt ist, können andere Nebeneffekte entstehen.

 

Eine pdfStudie im Auftrag des Bafu hat gezeigt, dass die Mieterhöhung nach einer Gebäudesanierung Mieterinnen und Mieter mit geringem Einkommen aus den sanierten Gebäuden verdrängt.

 

Bundesgelder fördern Strukturwandel

 

Die Gelder des Gebäudeprogramms ermöglichen zwar Energieeinsparungen. Gebäudesanierungen sind auch ein Vorwand für Immobiliengesellschaften, um Mietverträge zu kündigen oder die Mieten zu erhöhen.

 

«Das Gebäudeprogramm leistet in der Schweiz einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaziele», schreibt das Bafu auf seiner Website. Klimaschutzmassnahmen
sollten aber den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht gefährden sowie die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten berücksichtigen.





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