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Tanktourismus

Die Erdöl-Vereinigung veröffentlicht Studie zum Tanktourismus

21. März 2016

 

Unterschiedliche Treibstoffpreise zwischen Nachbarländern führen dazu, dass die Konsumenten dort tanken, wo es billiger ist. So ging denn auch die Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro nicht spurlos an der Mineralölbranche vorbei. Eine im Auftrag der Erdöl-Vereinigung erstellte Studie liefert erstmals Hinweise, welche Veränderungen der sogenannte Tanktourismus an der Schweizergrenze im vergangenen Jahr erfuhr.

 

Nach der Aufhebung des Mindestkurses Mitte Januar 2015 wurde – wie bereits Diesel – neu auch Benzin erstmals seit vielen Jahren in Deutschland, Frankreich und Italien günstiger als in der Schweiz (in Österreich war Benzin bereits vorher günstiger). Das hat sich unmittelbar auf den Absatz von Treibstoffen und in der Folge auch auf die Mineralölsteuererträge ausgewirkt.

 

Im Jahr 2008 lag der Tanktourismus bei Benzin in der Grössenordnung von 450 bis 500 Millionen Litern. Das heisst, diese Menge Treibstoffe haben ausländische Konsumenten damals in der Schweiz eingekauft. Bis 2015 ist der Tanktourismus auf nahezu Null zurückgegangen, wobei 40 bis 50% des gesamten Rückgangs im Zeitraum 2014/2015 stattfand (Abbildung 1). «Es gibt heute beim Benzin keinen Tanktourismus mehr», sagt der Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung, Roland Bilang. Gar eine Umkehr des Tourismusstroms hat seit 2008 beim Diesel stattgefunden: Während damals noch 75 Millionen Liter von Ausländern in der Schweiz gekauft wurden, haben 2015 die Schweizer 90 Millionen Liter Diesel im Ausland gekauft (Abbildung 2).

 

Wer in den Süden fährt, tankt nach wie vor günstiger in der Schweiz

Mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses wurde der Benzinpreis in der Schweiz für im Ausland Wohnende schlagartig um rund 25 Rappen teurer. Dadurch entfiel der Preisvorteil des Schweizer Benzins namentlich für in Frankreich und Deutschland Wohnhafte. Die Benzinpreise in Österreich lagen bereits seit 2011 tiefer als in der Schweiz. Ab Januar 2015 hat sich die Differenz noch erhöht, so dass sich selbst für in der Schweiz Wohnende ein Benzin-«Import» lohnte. Ein Sonderfall ist die Situation im Tessin gegenüber Italien: Gemäss den Preisangaben der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) war das Benzin in der Schweiz auch im Jahr 2015 rund 20 bis 25 Rappen/Liter billiger. Auf italienischer Seite besteht allerdings ein Skonto-System, das es der in Grenznähe wohnenden Bevölkerung erlaubt, Benzin zu günstigeren Konditionen zu erwerben. Für Schweizer oder Personen, die Richtung Italien fahren, lohnt sich hingegen der Kauf von Benzin und Diesel vor der Grenze, d.h. auf Schweizer Seite, nach wie vor.

 

Rückgang der Umsätze und des Steuerertrags
Insgesamt beträgt der Rückgang des Tanktourismus seit 2008 rund 625 Millionen Liter. Bei mittleren Treibstoffpreisen von 2015 entspricht dies einem Umsatzrückgang von beinahe einer Milliarde Franken, wobei fast 40% des Rückgangs auf die Periode 2014/2015 entfällt. Parallel dazu verläuft der Rückgang der Mineralölsteuererträge aufgrund des nicht mehr existenten Tanktourismus: Im Vergleich zu 2008 bezahlt der Tanktourist 2015 460 Millionen Franken weniger in die Bundeskasse. «Es ist absehbar, dass bei starkem Franken eine nächste einseitige Erhöhung der Treibstoffpreise in der Schweiz zu einer weiteren Erosion des Konsums im Inland führen wird», schätzt Roland Bilang.

 

Über die Studie
Die aktuelle pdfStudie baut auf früheren Untersuchungen zum Tanktourismus auf. Letztmals wurde der Tanktourismus in der Schweiz vor rund sechs Jahren im Auftrag der Bundesämter für Energie (BFE) und Umwelt (BAFU) sowie der Erdöl-Vereinigung (EV) untersucht. Als Basis für die Studien dienen jeweils die Absatzzahlen einiger grösserer Mineralölunternehmen. Das Ausmass des Tanktourismus wird abgeschätzt, indem die Absatzänderungen in grenznahen Tankstellen mit jenen in grenzfernen Tankstellen verglichen werden. Die Studienresultate können als repräsentativ für die gesamte Branche betrachtet werden.

 

pdfAbbildungen

 

Auskunft
Dr. Roland Bilang, Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung, Tel. 079 371 04 44





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